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Rad am Ring 2014


Auch dieses Jahr waren wieder einige Mitglieder des Radsportvereins des Helios Hanseklinikums verrückt genug sich zum 24h Rennen in die Grüne Hölle auf den Nürburging zu wagen.
Dort begaben sich abermals knapp 10.000 Radsportverrückte auf die 26 Kilometer der legendären Nordschleife in der Eifel, bei der pro Runde mehr als 500 Höhenmeter zurück zu legen sind. Auch einige Profifahrer waren mit am Start.
Unter dem Namen Stralsunder Füchse traten Robert W., Daniel, Dirk und ich im 4er Team an. Eine Konstellation die sich erst im letzten Moment ergab.


Bereits eine Woche vor dem eigentlichen Rennen wurde es zum ersten Mal richtig spannend. Leider musste ein Teammitglied kurzfristig absagen. Jetzt standen wir plötzlich nur noch zu dritt da. Es galt also so schnell wie möglich den vierten Mann aufzutreiben. Die Aufgabe jemanden zu finden, der so kurzfristig Zeit und Lust mitbringt und sich außerdem im entsprechenden Trainingszustand befindet, war wie zu erwarten schwer. Nach vielen Telefonaten und fast genauso vielen Absagen, fanden wir gerade noch rechtzeitig unseren Retter. Dirk - ehemaliger Bundesligatriathlet und Lizensfahrer - sprang spontan zwei Tage vor Abfahrt ein.

Für uns fing das Abenteuer bereits am Donnerstag an. Es galt den gemieteten Bus und Anhänger abzuholen und mit den Rädern und allem notwendigen Equipment zu beladen, damit es am Freitagmorgen gleich losgehen konnte. Abfahrt war in aller Frühe um 5:45 Uhr. Mit Richtgeschwindigkeit 100 km/h und außreichend Pausen unterwegs, brachten wir die knapp 800km in die Eifel in 12 Stunden hinter uns. Wir haben dann auch gleich unsere Parzelle bezogen, auf der uns Daniel schon erwartete. Er war bereits am Vortag mit seinem Wohnanhänger gestartet um die lange Reise nicht an einem Stück abreißen zu müssen. 
Zum Erstaunen aller war unsere Parzelle deutlich größer als die der anderen. Ein glücklicher Zufall, denn sonst hätten wir wahrscheinlich nicht alle Autos und Zelte unterbekommen. Manchmal muss man einfach auch Glück haben. Durch die vielen helfenden Hände ging der Aufbau sehr zügig und somit blieb genug Zeit um die Strecke zu erkunden und eine kleine Testrunde zu drehen.

Wie in der Eifel nicht anders zu erwarten, begrüßte uns der Samstagmorgen mit dichtem Nebel. Perfektes Wetter, um die Startunterlagen abzuholen. Nachdem das erledigt war wurden die Räder ein letztes mal gecheckt und dann wurde es auch langsam ernst. Pünktlich zum Start kam doch noch die Sonne raus und sollte uns - eifeluntypisch - bis zum Ende erhalten bleiben. Die monsunartigen Regenfälle des Vorjahres blieben uns dieses mal erspart.

Als Startfahrer wurde Dirk bestimmt, der als Nordschleifenneuling traditionell die erste Runde bestreiten durfte. Der Transponder wurde wie üblich in eine leere Trinkflasche gepackt und es wurde sich für einen fliegenden Wechsel - wie bei einer Staffelübergabe - entschieden. Die Parzelle hatten wir vorab extra so gewählt, um einen reibungslosen Wechsel zwischen den Fahrern gewährleisten zu können. Die lange Gerade ermöglichte uns eine gefahrlose Übergabe.

Die ersten Runden über die legendäre Naturrennstrecke verliefen reibungslos und schnell. Die Zeiten lagen alle deutlich unter einer Stunde und wir waren alle im Rennfieber.
Doch in Runde 7 ereilte uns "Das Transponderdesaster"!
In der Hektik überreichte ich Dirk statt des Transponders meine halbvolle Trinkflasche. Glücklicherweise wurde dieser Fauxpas nach wenigen Minuten bemerkt. Und um nicht eine komplette Runde zu verlieren, hieß es für mich als Pechvogel mich direkt wieder aufs Rad zu schwingen und eine Extrarunde einzulegen. Aus sicherer Quelle wissen wir aber, dass wir nicht das einzige Team waren, dem es so erging. ;)
Der hervorragenden Stimmung im Team tat dieser Vorfall erfreulicherweise aber keinen Abbruch.
Langsam wurde es dunkel. Die spannenden Nachtrunden begannen. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wussten wir, dass leistungsstarke Lampen für gute Sicht unverzichtbar sind. Wir waren allerdings gut auf die Dunkelheit vorbereitet. Bei Tempo 80 in der Abfahrt gibt es nichts Schlimmeres, als einen Blindflug.
Besonders in der Nacht merkten wir, wie gut wir durch unsere mitgereisten Mädels Anett, Francy, Esther und Randi umsorgt wurden, die uns bereits die ganze Zeit über mit ausreichend Essen, frischer Kleidung, Physio und Motivation zur Seite standen und die Zeiten im Auge behielten.

Der herrliche Anblick der Nürburg im Morgengrauen war unbeschreiblich und entschädigte zumindest kurzfristig für die Strapazen. 
Dann kamen die zähen letzten Stunden. Wenn man eigentlich schon gar keine Lust mehr hat und trotzdem noch fahren muss. Selbst das Material verweigerte zum Ende hin seinen Dienst.
In meiner vorletzten Runde, gab es an der Hohen Acht, dem steilsten Abschnitt der Strecke, plötzlich einen lauten Knall - Speichenriss am Hinterrad.
Egal. Kurz angehalten, Bremse ein bisschen geöffnet und weiter mit dem dicken Seitenschlag in die nächste Abfahrt. Denn schließlich wartete der Nächste schon in den Startlöchern.
Die anderen Jungs blieben zum Glück von der "Defekthexe" verschont.

Tapfer haben wir uns bis zum Ende durchgekämpft.
Die letzte Runde sorgte noch mal bei jedem einzelnen Fahrer für große Erleichterung. Ein letztes mal quälen und kämpfen, über die Kuppe drücken und im flachen Teil der Strecke Kopf runter und Vollgas. Auf der Zielgeraden haben wir dann gemeinsam auf unseren Schlussfahrer Daniel gewartet, um zusammen durch den Zielbogen zu rollen.
Ergebnis: 28 gefahrene Runden und somit Platz 35 von 656 gestarteten 4er Teams
Mit der Leistung sind wir alle mehr als zufrieden. Ziel war die Top 100.

Wie am Ring üblich, folgte nach der Zieldurchfahrt gleich der Abbau des Lagers, um die Strecke für das nächste Event freizugeben. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren sind wir dieses Jahr nicht gleich nach Hause gefahren. Die körperliche und geistige Erschöpfung hätte dies auch nicht zugelassen.
Stattdessen hatten wir uns vorab ein Appartement im 30 km entfernten Mayen gemietet. Dort haben wir den Tag ruhig ausklingen lassen und machten uns zufrieden am Montagmorgen und ohne Hektik auf den Heimweg.

Im Namen aller danke ich dem Sportverein für die finanzielle Unterstützung und die Bereitstellung des Pavillons.
Vor allem aber danke ich meinen Teamkameraden für einen reibungslosen Ablauf und den Teamgeist. Männer, wir haben unser Bestes gegeben! Und nicht zuletzt will ich noch einmal an die erinnern, die öfter mal vergessen werden. Ein riesen Dankeschön an die Mädels, die uns mit Essen versorgt, die Krämpfe weggeknetet, uns rechtzeitig geweckt und zu den Übergaben gebracht, die Stimmung oben gehalten, Erinnerungsfotos geschossen und uns angefeuert haben.Ihr habt eure wertvolle Freizeit für uns geopfert. Wir durften ja wenigstens noch fahren :).

(26.10.2014, Robert Biehle)