Das diesjährige Sommerfest findet
am 31.08.2018 um 18:00 Uhr
im Bürgergarten statt.


Herzlich Willkommen bei der Sektion Radsport

Styrkeproven 2013 (frei übersetzt: Härtetest)


Trondheim - Oslo 542 km; 4394 Höhenmeter!! (Mt.Blanc 4810m üNN)

Ca 1 Woche nach dem Rennen war ich wegen einiger Blessuren bei meiner Ärztin.
Nach einer kurzen Schilderung war Ihre Frage: wie verrückt muss man sein, um so etwas zu machen?
Die Frage könnt ihr vielleicht am Ende meines Berichtes beantworten oder auch nicht!
Mit Bernd und unseren Begleiter Olaf fuhren wir am Mittwoch, den 19.6.13 über Flensburg - Hirtshals – Larvik nach Oslo; am Donnerstag bei traumhaften Wetter die Strecke nach Trondheim –
weder dunkle Wolken noch Regen trübten diesen herrlichen Sonnentag.
Am Freitag, nach den üblichen Startvorbereitungen, Unterlagen abholen, Lizenzen ordern, einer Schulung unseres Begleiters Olaf in norwegisch!!! betreffs Verhaltensweisen mit dem Begleitfahrzeug, etwas bummeln in Trondheim, Verpflegung für die Tour vorbereiten und dem Versuch etwas vorzuschlafen, wuchs die Anspannung stündlich.
Als ca 20.00 der Regen einsetzte waren wir noch guter Stimmung, da ja die Wolken nach unserer naiven Wetterbeobachtung genügend Zeit hatten, sich bis zum Start um Mitternacht auszuschütten.
Als kurz vor dem Start der Regen kräftiger wurde, entschloss ich mich doch noch für Regenhose und Regenjacke. In der Hektik und allgemeinen Anspannung hatte ich die Hose verkehrt herum angezogen und bis zum Ablegen selbiger mich gewundert was ständig „klemmt“


Aber egal, ich steckte zunächst in warmer und trockener Kluft. Ich erwischte auch eine gute Truppe
(amerikanisch-norwegisch gemischt) durfte mich hinten anhängen und nahm den ersten Anstieg gleich hinter Trondheim recht locker, ständig Wasser von oben und unten.
Nach ca 40 km konnte ich nichts mehr sehen, musste die Brille abnehmen und hatte den Anschluss verloren. Ein kurzer Sprint um die Lücke zu schließen war mir ob der noch anstehenden 500 km
zu riskant. Bis Km 100 ging es mal allein (wenigstens kein Wasser von unten!) mal in kleinen Gruppen recht zügig voran.
So lang man tritt spürt man Kälte und Nässe kaum, aber sobald man steht(im Regen) friert man,
ich merkte, dass ich die falschen Sachen trug, so hatte sich meine Winterjacke, die ich unter der Regenjacke trug mit ca 2 Litern Wasser vollgesogen!
Jetzt machte ich einen weiteren entscheidenden Fehler:
Trockene Unterwäsche und neue Regenjacke gewechselt, aber nicht sofort weiter gefahren.
Ich habe nur noch gefroren und hatte null Bock weiterzuradeln.
Als Bernd ankam, in Windeseile die Klamotten wechselte und weiterfuhr, blieb mir keine Wahl mehr.
Bei Km 150 wartete unser Begleitfahrzeug an einer landschaftlich sehr schönen Stelle, die wir bei der Fahrt nach Trondheim „markiert“ hatten. Hier sind wir bereits auf 750 m ü.NN und es stehen 350 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt 1100 m üNN an; auf einer Strecke von ca 15 Km.
Nach kurzer Stärkung nehmen wir im „Einzelbergzeitfahren“ diese Hürde und fahren dann in einem zermürbenden Ritt über das ca 40 Km (gefühlt 100 Km) lange Fjell (Hochplateau )
Als Belohnung kommt dann eine wunderschöne Abfahrt nach Dombas. Hier fange ich Bernd nochmals ein, habe ihn dann aber erst im Ziel wieder gesehen.
An dieser Stelle eine große Hochachtung für Bernds Leistung, er hat sich nie lange Pausen gegönnt
und ist von Beginn an ruhig und stetig durchgefahren.
Von Dombas nach Kvam geht es in kurvenreicher Fahrt entlang am Fluss Sjoa.
Hier in Kvam nach ca 15 Stunden Regen wird das Wetter freundlicher, d.h. kein Regen.
Ich lege alle Regenklamotten ab (merke erst hier, dass die Regenhose falsch angelegt ist)wechsele nochmals Shirt und Jacke und fahre dann mit diesen Sachen bis ins Ziel.
Hinter Kvam hatte ich sogar ca 2 Stunden trockene Straße. Dunkle Wolken kündigten schon wieder Unheil an und es dauerte nicht lange und es schüttete vom Himmel.
Bis zum Ziel hat es ständig geregnet, mal mehr mal weniger, so dass Nieselregen wie Sonnenschein gefühlt wird. Es kann auch sein, dass es hin und wieder nicht geregnet hat; ich will hier nicht zu Übertreibungen neigen, aber gefühlt war es immer nass!
Bis nach Lillehammer läuft es eigentlich ganz gut, keine Berge, man fährt hin und wieder in Gemeinschaften und die Werkteams rauschen mit sagenhafter Geschwindigkeit ein mir vorbei,
nicht ohne sich vorher vom Führungsfahrzeug lautstark anzukündigen, es könnte eigentlich richtig Spaß machen, wenn ein wenig die Sonne scheinen würde oder es wenigstens trocken wäre!!!!
Ab Lillehammer läuft leider die Organisation, an der sonst nichts auszusetzen war, etwas aus dem Ruder.
Im Depot vor Lillehammer sagte mir Olaf, dass es nur noch 36 km zum nächsten Depot sind und so bin ich mit einer Banane und einer halb vollen Trinkflasche durchgefahren.
Nach ca 60 km dachte ich, ich hätte die Station verpasst und habe unseren Begleiter
„angesimst“. Darauf die beruhigende Antwort, dass ich noch weitere 15 km durchhalten müsse!!
Ich bekam dann noch eine Banane von der Betreuerin eines Werkteams und konnte diesen ewig dauernden Anstieg bis Lillehammer-Süd einigermaßen bewältigen.
Jetzt sind es noch ca 200 km, langsam tut alles weh, Knie, Ferse Arme, aber es läuft nach Gjøvik
mit Rückenwind über die Brücke recht gut. Man trifft jetzt immer wieder die gleichen Leidensgenossen, mal wird man eingeholt, fährt etwas gemeinsam, trennt sich dann wieder und im nächsten Depot sehen sich alle wieder. Es geht jetzt nicht mehr um Zeiten - durchkommen ist alles.
Olaf hatte sich wegen der Depot- und Streckenveränderungen bei der Rennleitung erkundigt und erfahren, dass man aufgrund des lang anhaltenden Regens den Streckenabschnitt zwischen Lillehammer bis zur Brücke vor Gjoivik gesperrt hatte.
Hinter Gjoivik geht es dann entlang am Westufer des Mjosa-Sees bergauf bergab, langsam wird es dunkler und die zweite Nacht bricht an dazu Wind von vorn!!
Mein Fahrradcomputer hat den Geist aufgegeben, dazu die veränderte Streckenführung – Ich weiß im Moment nicht so richtig, was ich noch vor mir habe, dazu die Müdigkeit, die zu schaffen macht.
Als ich langsam Gespenster im Wald vor mir sehe, entschließe ich mich, irgendwo zu schlafen.
In einer Straßeneinbuchtung lehne ich mich an die Leitplanke, gehe in die Hocke und bin sofort eingeschlafen; nach ca ¼ Stunde werde ich wach und fühle mich gut erholt.
Ich habe die eingeschlafenen Beine noch nicht richtig massiert, als plötzlich ein junger Mann vor mir steht und mich nach meinem Befinden fragt. Ich versichere ihm, dass es mir gut geht und ich nur ein bisschen geschlafen habe. Es stellte sich heraus, dass bei der Einsatzleitung jemand angerufen hat, dass ein Fahrer im Straßengraben liegt und darauf hat man einen ca 700 m entfernt wohneneden Bauern angerufen und der dann seinen Sohn losgeschickt hat um nach mir zu schauen – ich war zu Tränen gerührt ob der Anteilnahme.
Es ist jetzt nachts 2.00h; die Knie schmerzen, es zerrt in den Oberschenkeln, bergab lasse ich es nur noch rollen um für die nächste Anhöhe Kräfte zu sammeln.
Schließlich erreiche ich die vorletzte Station, in der Hoffnung im Sani-Stützpunkt ein paar Schmerztabletten zu bekommen – Fehlanzeige, dafür bekomme ich eine wundervolle Massage,
anschließend eine Wärmecreme aufgetragen und 5 Minuten ruhen.
Die letzte Flasche Red-Bull ein Power-Gel und es läuft wieder richtig gut, die Hügel vor Oslo stecke ich gut weg und denke immer an Wolfs Bericht vom vergangenem Jahr, dass ja eigentlich noch richtige Berge kommen, die, nach seinen Worten, einem die letzten Kräfte rauben.
Ich dachte schon dass Wolf übertrieben hat, aber plötzlich sind sie da, nicht zu Ende gehende Anstiege, nach jeder Kurve hofft man auf eine Flachstrecke, aber leider.
Vielleicht sind es auch nur 2-4 % aber nach 520 km zählt jedes Prozent Anstieg doppelt oder dreifach.
Landschaftlich ist die Streckenführung vor Oslo wunderschön, aber was sich die Rennleitung dabei gedacht hat, uns im Randbezirk von Oslo km-lang auf einer extra gesperrten Autobahnstrecke fahren zu lassen, ist mir unbegreiflich, ständig dröhnen Autos vorbei, aus der ländlichen Ruhe wird man buchstäblich in den Großstadtverkehr gepresst, zum Glück ist aber alles abgesperrt.
und die Strecke ist hervorragend markiert.
Als ich in die Ziellinie eingewiesen werde kann ich es noch gar nicht fassen. Ich fahre die letzten 5 km ganz allein, weder vor mir noch hinter mir ist ein Fahrer zu sehen.
Nochmals ein kurzer Anstieg und dann ist es da, das heißersehnte Ziel, man wird namentlich genannt, sieht die Zeit auf dem Bildschirm (31 Stunden und 51 Minuten, die Sekunden lasse ich weg)
und dann sind sie da, die Freudentränen.
Zum Abschluss ein ganz großes Danke an unseren Begleiter Olaf Winkler, der immer in unserer Nähe war, auch wenn es schwer war, sich durch den Verkehr nach vorn zu drängeln.
(23.06.2013, Siegfried Schefter)