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Die "grüne Hölle" Nürburg 2011


Sie ist nun Geschichte, ein 24h langes Leiden hat sein Ende gefunden und ein glückliches Lächeln in die Gesichter der Sieger gezeichnet.

Bereits im Vorfeld haben wir uns lange auf dieses Event vorbereitet, als wir die Zusage von Helmut erhielten, dass wir eine Box im Fahrerlager beziehen dürfen. Das war nicht zuletzt auch Ansporn und Verpflichtung zugleich, gezielt zu trainieren und nichts konnte uns mehr aufhalten.


Am Freitag früh um 02:00 Uhr ging es dann mit zwei Kleinbussen und einem PKW auf Tour. Unser ganzer Verband bestand aus einer 2er Gruppe (Jörg und Robert) und zwei weiteren
4er Gruppen (Gert, Nils, Gerd, Ralf) sowie (Arne, Siegfried, Dietrich und Jens).
Als unverzichtbare Betreuer und goldene Engel, standen uns Jana und Katja zur Seite.
Beide waren unermüdlich um unser Wohl bedacht, sei es durch fachmännische Massagen durch Katja oder der Bewirtung von Jana.
Siegfried, Reiner und Wolfgang, die uns sicher von Ort zu Ort tourten und uns ebenfalls unterstützten, an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank!!!

Das Wetter war zunächst schwül, die Mücken waren eine Plage und schlichen sich als "Schwarzfahrer" in die Fahrzeuge!
Nur wenige Augenblicke nach der Abfahrt begann es aus allen Rohren zu gießen, und ein starkes Gewitter erleuchtete den Himmel in grelle Farben, Stralsund verlassen wir mit einem Feuerwerk.

Wir kommen nur schwerlich voran, die Fernsicht ist auf ein Minimum beschränkt, so sollte es noch bis Bremen gehen.
Das Navi zeigte uns, dass wir noch reichlich Zeit haben, darum beschlossen wir auch reichlich Pausen zu machen und alles ruhig anzugehen. In Holdorf dann eine längere Pause, eine Reise strengt an und die Radfahrerbeinchen brauchen immer schön Auslauf.

Um nicht zu viel unnötige Nahrungsmittel und Getränke mitzunehmen, hatten wir uns im Vorfeld entschieden, kurz vor Nürburg alles einzukaufen und somit alles im Rahmen zu lassen.
Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass sonst die Hälfte wieder den Rücktransport angetreten hätte.

Kurz vor Nürburg wurde dann alles besorgt, auch alles Nötige zum Grillen.
13:30Uhr kamen wir dann auf den ausgeschriebenen Parkplatz an, es waren erst wenige Fahrzeuge dort und wir konnten uns somit im vorderen Bereich einparken.
Wir nutzten die verbleibende Zeit bis 16:00 Uhr (Einlaß) um erste Blicke des Nürburgringes zu erhaschen. Das Wetter meinte es mittlerweile mehr als gut, denn die Sonne zeigte sich in Ihrer wahren Pracht, also hier scheint die Sonne zu Hause zu sein.
Auf der Gran Prix Strecke wurde bereits unter Zeitdruck zügig gearbeitet und die Absperrungen gesetzt, auf der Nordschleife waren noch einzelne Privatfahrer mit ihren heißen Schlitten unterwegs.
Pünktlich 16:00 Uhr, setzte sich alle Fahrzeuge in Richtung „Einlaß“ in Bewegung, nun die bange Frage: „Was wird uns im Inneren dieser riesigen Anlage erwarten und wie sieht so eine Box von innen aus.“
Schnell war die Box erreicht und die Neugier groß. Wir waren die Ersten dort an der Box und nahmen unser Abteil in Beschlag.
So eine 4er Box ist sicher nicht groß, aber mit ein wenig Talent, ausreichend. Unser 2er Team haben wir mit in die Box bekommen, außerdem unseren Fahrer/ und die beiden netten Betreuerinnen.
Die andere Gruppe konnte es sich somit auf der J 033 und J 033a Pazelle gemütlich machen, sie mussten eine andere Einfahrt nutzen und so trennten sich die Wege vor dem Einlaß.


Wir beschlossen zunächst unser Fahrzeug zu positionieren und unseren Pavillon vor das Tor zu setzen, so dass der Grillabend und die Mahlzeiten gesichert sind.
Zwischendurch traf ein weiteres Team in der Box ein, die Jungs kamen aus Wetter bei Dortmund, dass ist ja schon mal ein gutes Omen!
Als Begleitung hatten sie einen treuen Freund mit, der sich als äußerst anpassungsfähiger und lieber Vierbeiner zeigte. Schnell kamen wir ins Gespräch und erhielten den einen oder anderen Tipp zum Rennen, Danke.
Dann kam eine große Gruppe aus Heidenheim bei Ulm hinzu, dass sah schon mal alles recht professionell aus, großes Zelt, 3 Laptop, „heiße Theke“, Mechaniker, Trainer und, und, und.
Hier konnte man auch lernen, was Ordnung bedeutet, denn die Radsachen wurden nicht etwa irgendwo hingefeuert sondern fanden sich in Ablagebords aus Textil an der Drahtwand, außerdem spickten Bügel die Drahtwände!!!
Da viel uns erstmal die Kinnlade runter, nicht schlecht.
Die Box war somit schon dreiviertel voll, es stand nun die Frage: „Was ist mit der freien Seite zu unserer Linken, kommt da noch wer“? Ja, aber erst am nächsten Morgen kam ein Team aus Mühlheim a. d. Ruhr.
Die Box war gerappelt voll, alle waren hilfsbereit und man kam schnell ins Gespräch.
Übrigen waren wir in Box 7 untergebracht (Audi /Roßberg).
Großer Vorteil der Box: Eigene Toilette, und Waschbecken/Spüle, dass erleichtert Einiges!
Die Jungs von unserer anderen Gruppe, brachten uns noch einige Restsachen, denn sie mussten eine andere Einfahrt nutzen, da Sie sich auf dem Zeltplatz direkt an der
Gran Prix Strecke einrichteten..
Die Pazellen liegen nicht weit auseinander, alles ist gut zu erreichen.
Die Gruppe auf dem Zeltplatz richtete sich ebenfalls schnell ein, dort trafen sie auf ein Bayrisches Team mit einem Bierzelt mit Kühlschrank, man kann erahnen was dort dann parallel ablief :-).
Überhaupt waren fast alle Teilnehmer professionell ausgerüstet, über den Gaskocher /Grill/ Spüle etc.

Um später in Ruhe alles erkunden zu können, entschlossen wir uns gleich, die Startunterlagen zu holen, bevor es zu voll wird. Das hatten wohl auch die meisten anderen Teilnehmer gedacht!!!
Viele Teilnehmer / viele Anmelder, das kennen wir auch von der Vätternrundan, aber so eine Anmeldeschlange hatte wir nicht erwartet!
Ich merkte, wie mir sichtlich warm wurde, mit dem Gedanken, dass ich jetzt hier zwei Stunden stehen müßte.
Es gab für jede Teamordnung nur einen Schalter, die meisten aus der Schlange gehörten wohl zu den Läufern und uns gelang dann die Flucht nach vorne.
Die Helfer vollbrachte Höchstleitung und wir waren dann auch in einer halben Stunde durch.

Urteil: Anmeldung ist einfach unterbesetzt, die Helfer gaben sich alle Mühe freundlich zu bleiben, bei den vielen Fragen und Wünschen der Teilnehmer, Platz währe ausreichend im Ring Boulevard (Aber es gibt bestimmt Schlimmeres)

Jeder Teilnehmer erhielt seine Startunterlagen in einem Verpflegungsbeutel, dieser enthielt neben der Startnummer, einen Gutschein für die Nudelparty, das Erdinger - Weißbier alkfrei, ein Adidas Spray, Energy Drink, Gels und Riegel, Kakaodrink und eine „die Tour 8“.

Nun blieb uns genügend Zeit, das Areal zu erkunden, auf der Nordschleife dröhnten noch die Motoren von Jaguar, Porsche und Co., die Klänge gingen einem schon unter die Haut.
Nordschleife gegen Bezahlung, dass ist eine der Haupteinnahmequellen um die Kosten zu decken.
Einige Teilnehmer nahmen bereits den Asphalt der Gran Prix Strecke unter die Reifen, die Strecke zieht sich wie eine Schlange durch das Gelände, breit und majestätisch, liegt sie da nieder, doch Vorsicht, sie wiegt sich mit einem ungeahnten Gefälle, was optisch auf den ersten Blick nicht zu erwarten war.
Für große Überraschung sorgten Bärbel und Peter, die die Gelegenheit nutzen und im Rahmen ihrer Urlaubsradtour von der Lahn herüber kamen um eine Runde auf dem Nürburgring zu drehen. Das wurde dann in der Altersklasse auch mit einem 3. Platz für beide honoriert.

Ein Trip durch das Fahrerlager ließ die Augen leuchten, auch die Technik und Bekleidungsstände waren üppig bestückt und die Preise zeigten sich überraschend moderat, zumindest für soein Event.
Rewe war in der letzten Box untergebracht, dort gab es alle wichtigen Dinge zur Verpflegung, besonders eindrucksvoll war der Kuchenstand sowie die warmen Mahlzeiten, selbst zur Mittagszeit am nächsten Tag, war für jeden ein Plätzchen frei (tolles Angebot)!

Am Abend wurde dann gegrillt und Leute beobachtet, unsere Gruppen besuchten sich gegenseitig und fachsimpelten über den bevorstehenden Törn. Gegen 23Uhr zogen wir uns dann in unsere Kojen zurück, wobei die Feldbetten (ca. 19€) super Dienste taten.

Alle bemühten sich in den Boxen um Ruhe, dass hatte ich anders erwartet und so schliefen wir auch ziemlich schnell und tief ein. Der Morgen meinte es gut mit uns, die Sonne blinzelte durch das halb geöffnete Tor und unsere Betreuerinnen hatte bereits den Kaffeetisch für uns gedeckt, was für ein schöner „Urlaub“ oder warum waren wir hier?

In einem festen Containerbau konnten wir duschen, das war mal gerade 50m hin und die Abfolge ging dort zügig voran, dass Wasser war stets ausreichend warm.
Langsam stieg auch das Rennfieber in unseren Körpern an, die Renntaktik wurde besprochen und jeder versuchte sich auf seine Weise zu motivieren. Eine unserer Begleiterinnen ist auch Masseurin und hat den Massagetisch mitgebracht, eine Wohltat für unsere geschundenen Leiber, aber nicht nur für uns, wie sich im laufe der Zeit herausstellen sollte, aber alles blieb im Rahmen und in der Box (massieren von morgens bis spät in die Nacht, das ist doch körperlich genauso anstrengend wie das Rennen selbst, Respekt).

Eigentlich wollte ich noch zum Presseempfang, aber die Nähe zum Team und die Organisation war mir dann doch wichtiger, währe sicherlich hochinteressant gewesen, aber den Moment wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Gänsehaut bei jeder Startfolge und um 13:15 Uhr gingen dann die 24h Rennradteams auf die Strecke: „Viel Glück Jungs“

Am Morgen absolvierten bereits die Läufer einige Distanzen, die Stimmung war enorm und der Moderator heizte den Massen kräftig ein. Die musikalische Umrahmung sorgte für eine beschwingte Fahrt.

Ich startete als Dritter, nach 1. Nils, 2. Gerd, nach mir startete Ralf.
Die Flaschenübergabe klappte reibungslos, der Transponder war an der Trinkflasche befestigt.
Mittlerweile stand immer ein dreiköpfiges Boxengassenteam zur Stelle und sorgte für einen schnellen Boxenstopp, der Mensch lernt ja schnell, wenn er muß!
Wie wir hörten, war das bei der anderen Gruppe nicht anders.

Die Strecke war ja auch mir völlig unbekannt, der Wechsel erfolgte vor der Box, was ja auch sehr angenehm war und ab ging es ins Ungewisse. Nach der Boxenausfahrt gleich zwei Kurven, erstmal Gefühl kriegen und nicht übertreiben, fahre Deinen Stil, dass war unser Grundsatz, kein unkalkulierbares Risiko, Ankommen und Spaßhaben ist die Devise.
Mit einem leichten Ziehen im Bauchraum geht es in die Abfahrt, jemand scheint zu schieben, denn Bremsen ist nur bedingt möglich, ich hatte das Gefühl, dass die Hölle mich zu sich zieht, was für ein Rausch. Alles schön unter Kontrolle, das war wichtig, Tempo ein wenig raus,
70Km/h sollten reichen, man bedenke Gewicht und Größe meiner Person, also bitte, wer will kann schneller fahren und tut es sichtlich auch 100h/km!

Die Abfahrt scheint kein Ende zu nehmen, endlich wieder etwas Erholung und schon geht’s in die nächsten Abfahrtskurven.
Endlich km 10, jetzt geht es schon leicht in den 4 km Anstieg, zunächst ganz gelassen, schön einteilen, denn es sollen ja noch ein paar Runden werden! Zwei Ritzel mal noch als Reserve lassen, ich bin mit der Kompakten unterwegs und das ist gut so.
Km 13, Vorletztes Ritzel angezapft und schön gleichmäßig treten und Atmen, alles bestens.
Kurz vor der hohen Acht, Km 14, gut das ich noch ein „Maria - Hilf – Ritzel“ habe, erst denke ich, ist irgendwas mit dem Tretlager, dann merke ich, dass sich mein Vorderrad immer leicht anhebt, also Gewichtsverlagerung.
In den ersten zwei Runden vielen die letzen knapp 500m/ 18% Steigung nicht so ins Gewicht, aber später hatte ich schon zu kämpfen.

Oben angekommen, war ein Verpflegungspunkt eingerichtet, der reichhaltig bestückt war (Gels/Riegel/Bananen/Kuchen/Kekse/ Getränke usw.).
In der Nacht hatten wir uns auf zwei Stundenfahrten geeinigt und in der zweiten Runde hatte ich kurz vor der Acht einen Hungerast und Motivationseinbruch. Was nun stärker war, vermag ich nicht zu sagen, aber der Versorgungspunkt war Klasse.
Schnell hatte ich mich aber wieder gefangen und ab ging die Post.
Am Lenker war ein BIG BANG befestigt, der uns mit seinem Leuchtkegel die Nacht erhellte.
Ein sicheres Gefühl, gerade in den unbeleuchteten Kurven und was erwartet mich danach?!
Preisintensiv aber Goldwert, Sicherheit hat seinen Preis, der BIG BANG sucht seines Gleichen!
Der letzte Abschnitt ist eher wellig einzuordnen und als es dann auf die Grand Prix Strecke ging, stehen die Lebensgeister sowieso Spalier.
Jetzt noch durch das Fahrerlager, parallel zur Boxengasse und Tribüne, ein Achtungsruf zur Box (in ca. 10 Min. bin ich da)letzte Kräfte lassen dort noch mal richtig Fahrt aufkommen, ein Meer von Zelten, Lichtern und Grillduft, säumen die Strecke, allerdings muß man sehr auf rücksichtslose Zeitgenossen achten, die die Strecke unaufmerksam queren.
Nochmals enge Kurven fahren und schon ist man auf dem blauen Band zur Boxengasse wo der nächste Gladiator steht, und Wechsel und ab!!!!

In der Nacht ist es schwierig zu schlafen, trotz 2stündlichem Wechsel, ist die Übermüdung und der Adrenalinspiegel hoch. Trotzdem waren 3 Stunden übernicken drin. Danach fühlt man sich aber eher geschlafft und verkatert als erholt! Da heißt es aufs Neue motivieren.
Gegen 11:00 Uhr regnete es dann und die Krankenwagen und Rettungshubschrauber hatten Hochbetrieb. Das ging einem schon sehr an die Nieren, denn man konnte nur erahnen was da so unterwegs los sein wird. Glatte Straßen durch Reifenabrieb und Ölspuren und Nässe.
Ein Aufhören des Regens war nicht in Sicht, Nils war noch auf der Strecke, Gerd will danach aber trotzdem starten, mir war das zu heikel und sagte meine letzte Runde ab.
Wir ahnten ja nicht, dass einerseits die Sonne wieder rauskommt und andererseits wir noch im Limit für die letzte Runde waren. Aus diesem Grund packten wir mal schon vorfristig unsere Sachen.
Wir blieben aber bei dem Entschluss, trotzdem nicht mehr zu fahren, da im Tal die Straßen noch nass waren und wir so die Gewissheit haben, dass alle Teilnehmer unseres Teams heil und glücklich nach Hause fahren können.

Wir hoffen an dieser Stelle, dass es den Verunfallten gesundheitlich wieder gut geht, ein Teammitglied unseres anderen Teams hatte auch erste Hilfe bei einem bewusstlosen Fahrer gemacht, dass geht bei so einem Rennen schon an die Psyche.

Unser Ergebnis:
Stralsunder Füchse 1 (Gert/Niels/Ralf und Gerd) Platz 332 von 700
Stralsunder Füchse 2 (Siegfried/Arne/Dietrich/Jens) Platz 556von 700
Stralsunder Füchse 2 (Jörn und Robert) Platz 70 von 140

Zum Schluß noch ein Erdinger alkoholfrei, dass gab es dann auch ohne Gutschein und so viel wie jeder wollte, irgendwo musste wohl eine Quelle erschlossen worden sein.

Der Abbau erfolgte dann recht schnell, entgegen den Vermutungen, gab es verkehrstechnisch keine Ausfahrtsprobleme. Die Privatfahrer kamen uns mit Ihren Sportwagen schon wieder auf der Straße entgegen, denn 16:00 Uhr hieß es auf der Nordschleife: „Privatfahrer Start frei“.

Übrigens das Team aus Heidenheim entpuppte sich dann als Podestsieger verschiedener Klassen.
Ich sage an dieser Stelle danke für die super Zusammenarbeit am Computer und dem Catering.

Wir hatten alle sehr viel Spaß und können dieses Rennen nur weiterempfehlen, eine tolle Organisation, es gibt viel zu sehen, Ausstellungen / Filme/ keine lange Weile!!!

Danke für die bleibende Erfahrung und alles Gute den Teilnehmern 2012

Grüße von den „Stralsunder Füchsen 1,2 und 3“
(19.08.2011, Gert Friedel)